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Forschung

Das Herz des Zera Institute


Am Zera Institute erforschen wir, wie sich Hass, Extremismus und Antisemitismus in digitalen Ökosystemen ausbreiten – und wie sie die Grundpfeiler der liberalen Demokratie unterwandern. Wir machen sichtbar, was oft im Verborgenen bleibt: die sprachlichen, visuellen und algorithmischen Mechanismen, durch die radikale Ideologien normalisiert, geteilt und gesellschaftlich verankert werden.

Geleitet wird unsere Forschung von Dr. Matthias J. Becker, einem der führenden europäischen Experten für digitalen Antisemitismus und codierte Hasskommunikation. Gemeinsam mit einem interdisziplinären Team aus Sprachwissenschaft, Politikwissenschaft, Soziologie, Medienanalyse und KI entwickelt Becker neuartige Methoden zur Erkennung und Entschlüsselung antisemitischer, verschwörungsideologischer und extremistischer Narrative auf Plattformen wie YouTube, X und TikTok. Ihre Arbeit geht weit über klassische Schlagwortanalysen hinaus: Sie erfasst Ironie, Meme-Kultur, visuelle Codes, mehrsprachige Feinheiten und die Dynamik digitaler Interaktionen – insbesondere in Kommentarspalten. So rekonstruieren wir nicht nur, wie Hass formuliert wird, sondern auch, wie er sich ausbreitet, wandelt und zu Radikalisierung und Gewalt beitragen kann.

Was Zera einzigartig macht, ist die Verbindung digitaler Präzision mit kultureller und historischer Tiefe. Professor Benjamin Folit-Weinberg, Forschungsdirektor des Zera Institute, ist klassischer Philologe und Experte für antikes griechisches Denken. In seiner wissenschaftlichen Arbeit untersucht er, wie Sprache, Metaphern und Erzählungen unser Verständnis der Welt prägen.

Bei Zera bringt er diese philosophische und kulturelle Perspektive in aktuelle gesellschaftliche Debatten ein und vertieft damit das Verständnis jener Werte – liberaler Demokratie, Pluralismus und Toleranz –, die zunehmend unter Druck geraten. Seine Arbeit hilft, die digitalen Dynamiken, die wir erforschen, in einen größeren intellektuellen und kulturellen Zusammenhang zu stellen.

Überblick über die Forschungsberichte


Die liberale Demokratie steht unter erheblichem Druck: Gewalt – insbesondere politische Gewalt sowie Gewalt gegen Minderheiten – nimmt in alarmierendem Maße zu, während das Vertrauen in staatliche und gesellschaftliche Institutionen zunehmend erodiert. Online-Extremismus und Radikalisierung sind zentrale Treiber dieser Entwicklung. Antisemitismus stellt dabei eine wesentliche Komponente von Online-Radikalisierung und extremistischen Dynamiken dar.

Bislang ist das Zusammenspiel dieser drei Phänomene – Bedrohungen der liberalen Demokratie, Online-Extremismus und Antisemitismus – nur in begrenztem Maße systematisch untersucht worden, insbesondere im Kontext Influencer-zentrierter Social-Media-Umgebungen. Der Hauptbericht schließt diese Forschungslücke durch eine empirische Untersuchung der Frage, wie Influencer und ihre Publika gemeinsam illiberale Diskurse hervorbringen und verstärken. Im Zentrum der Analyse stehen drei eng miteinander verknüpfte Prozesse, die für die zeitgenössische liberale Demokratie besonders problematisch sind: die Normalisierung politischer Gewalt; die Legitimierung von Gewalt gegen Minderheiten, insbesondere gegen Jüdinnen und Juden; sowie die fortschreitende Delegitimierung demokratischer Institutionen.

Hauptbericht auf einen Blick:

  • Analyse von mehr als 11.000 Nutzerkommentaren auf Twitter/X, Instagram, YouTube, TikTok und weiteren Social-Media-Plattformen
  • Ländervergleichende Studie von über zwei Dutzend deutschen und US-amerikanischen Influencer-Accounts und ihren jeweiligen Publika, über das gesamte politische Spektrum hinweg
  • Aufbau auf der langjährig entwickelten Methodik des Projekts Decoding Antisemitism, geleitet von Dr. Matthias J. Becker
  • Analyse der Rolle von Online-Diskursen bei der Normalisierung von Gewalt – insbesondere politischer Gewalt und Gewalt gegen Minderheiten – sowie beim Vertrauensverlust in staatliche und gesellschaftliche Institutionen
  • Einblicke in kontextspezifische Ausprägungen illiberaler Dynamiken in deutschen und US-amerikanischen digitalen Öffentlichkeiten
  • Erste grundlegende Schritte zur Überführung qualitativer Befunde in skalierbare, KI-gestützte Analyseprototypen

Zweiter Bericht

Der zweite Bericht baut auf den empirischen Ergebnissen der ersten Studie auf, indem er Hypothesen für weiterführende Forschung formuliert und vier mögliche Interventionsfelder auf politischer bzw. politikrelevanter Ebene identifiziert. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Rolle von Kommentarspalten als Verstärkungsräume, Radikalisierungsarenen und Legitimationsorte von Diskursen, die über das ursprüngliche Framing der Influencer hinausgehen.

  • Social-Media-Politik & Regulierung: evidenzbasierte Kriterien für Plattform-Governance; Identifikation von Verstärkungsdynamiken, die regulatorische Interventionen erforderlich machen
  • Sicherheit / Nationale Sicherheit & Risikobewertung: Indikatoren für Frühwarnsysteme; verbesserte Erkennung koordinierter oder aus dem Ausland gesteuerter Einflussoperationen
  • Bildung & Prävention: empirisch fundierte Erkenntnisse darüber, wie radikale Deutungsrahmen Gewalt normalisieren, sowie Grundlagen für gegenradikalisierende und resilienzorientierte Bildungsangebote
  • Angewandte KI-Entwicklung: Übertragung qualitativer Diskursbefunde in Monitoring- und Diagnosesysteme, mit einem Schwerpunkt auf Prävention statt ausschließlich reaktiver Durchsetzung

Wissenschaftliche Mitarbeiter


Internationaler Akademischer Beirat


Dr Olaf Glöckner

Leitender Wissenschaftler, Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch jüdische Studien, Universität Potsdam, Projektleiter: EUMUS – Europäische Minderheiten in urbanen Räumen: Gegenseitige Anerkennung, soziale Inklusion und Zugehörigkeitsgefühl

Professor Nathalie Japkowicz

Professorin, Fachbereich Informatik, College of Arts and Sciences, American University, Außerplanmäßige Professorin, School of Electrical Engineering and Computer Science, Fakultät für Ingenieurwissenschaften, Universität Ottawa

Professor Robert Katz

Professor für Rechtswissenschaften und John S. Grimes Faculty Fellow, Indiana University McKinney School of Law, Mitglied der Task Force der American Bar Association zur Bekämpfung von Antisemitismus, Gründer und Direktor, Center for the Study of Law and Antisemitism
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